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Mortalitätsmonitoring in Österreichs Bundesländern

von Ramon Bauer, Peter Frühwirt, Roman Seidl und Franz Trautinger

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2020Read in English

Mitte März 2020 kam es in Österreich zum ersten Corona-Todesfall. Seitdem stellt sich die Frage, ob die COVID-19-Pandemie zu einer erhöhten Gesamtsterblichkeit geführt hat. Aus diesem Grund wertet die Landesstatistik Wien (MA 23) auf Basis der Methodik des Wiener Mortalitätsmonitorings und anhand von Daten der Statistik Austria wöchentlich die Sterbefälle der Bevölkerung in den österreichischen Bundesländern in Hinblick auf ungewöhnliche Ereignisse aus.

Grundlage zur Interpretation von ungewöhnlicher Sterblichkeit, also Unter- oder Übersterblichkeit, sind die Bandbreiten der erwarteten Todesfälle (Prognoseintervalle). Je öfter und deutlicher die tatsächlichen Todesfälle außerhalb der jeweiligen Prognoseintervalle liegen, desto eher kann von einer ungewöhnlichen Sterblichkeit ausgegangen werden. Die Prognoseintervalle („Bänder“) umfassen 99 % der zu erwartenden Werte bei zufälliger und unabhängiger Verteilung der Todesfälle je Kalenderwoche nach Altersgruppe (0 bis 64 Jahre bzw. 65+). Die „Bänder“ berücksichtigen saisonale Schwankungen und die sich verändernden Bevölkerungszahlen und Altersstrukturen im Zeitverlauf (siehe auch Methodenbericht).

In unseren Analysen sind alle Todesfälle von Personen mit Wohnsitz in einem österreichischen Bundesland erfasst, die im Inland verstorben sind und von der Statistik Austria aus dem Zentralen Personenstandsregister (ZPR) übernommen wurden. Es handelt sich um vorläufige Daten. Die Todesfälle der zwei aktuellsten Wochen sind noch nicht vollständig erhoben und werden von der Statistik Austria zugeschätzt. Alle Daten der wöchentlichen Sterbefälle in Österreichs Bundesländern seit 2007 und die Prognoseintervalle sind im österreichischen Open Data-Portal veröffentlicht.

Wöchentliche Todesfälle in Österreichs Bundesländern im Jahr 2020

Die folgenden Grafiken zeigen die tatsächlichen wöchentlichen Todesfälle (im Inland) und die erwartete Bandbreite („Prognoseintervalle“). Bei der Interpretation muss berücksichtigt werden, dass die Prognoseintervalle zum Ausdruck bringen, wie deutlich (statistisch signifikant) eine Woche von der erwarteten Sterblichkeit abweicht – und nicht unbedingt wie stark diese Abweichung ist.

Wie breit das Prognoseintervall ist – und wie klar in Folge eine Über- oder Untersterblichkeit erkannt werden kann – ist abhängig von der Bevölkerungsgröße. Je größer die Bevölkerung und damit die Zahl der erwarteten Todesfälle, desto schmäler wird die erwartete Abweichung (Varianz) der wöchentlichen Todesfälle und desto genauer kann damit eine Übersterblichkeit erkannt werden. Die Stärke der Abweichung der tatsächlichen Todesfälle vom Prognoseband ist daher nur zwischen Ländern mit ähnlicher Bevölkerungsgröße vergleichbar (z. B. Wien und Niederösterreich).

COVID-19-Übersterblichkeit in Österreichs Bundesländern

Für ganz Österreich konnte während des Höhepunkts der COVID-19-Pandemie eine Übersterblichkeit in der Altersgruppe 65+ festgestellt werden: In den Kalenderwochen 12, 14, 15 und 16 lag die Anzahl der erwarteten Todesfälle leicht außerhalb der erwarteten Bandbreite. Diese Entwicklung in Österreich basiert vor allem auf einer erhöhten Sterbehäufigkeit in den Bundesländern Tirol, Steiermark (Übersterblichkeit in mehreren Kalenderwochen) und Niederösterreich (Übersterblichkeit in KW 15). In anderen Bundesländern war die Entwicklung der wöchentlichen Todesfälle (65+) dagegen unauffällig. Die Übersterblichkeit in Kalendarwoche 33 ist nicht auf COVID-19, sondern vermutlich auf eine mehrtägige Hitzeperiode zurückzuführen.

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Sterblichkeit in europäischen Städten seit 2015

Weiters haben wir deskriptive Statistiken der wöchentlichen Todesfälle in ausgewählten europäischen Städten bzw. Stadtregionen (NUTS-3/2) seit 2015 auf einer eigenen Webseite dargestellt. Diese deskriptiven Auswertungen zeigen zum Teil deutliche Abweichungen der wöchentlichen Todesfälle im Jahr 2020 gegenüber den Vorjahreswerten. Allerdings ermöglichen es die von Eurostat bereitgestellten Daten leider nicht, die Saisonalität der Sterblichkeit und die sich verändernden Bevölkerungszahlen und Altersstrukturen in die Analyse einzubeziehen.

Vielen Dank an die Kollegen des Schweizer Bundesamts für Statistik und Johannes Klotz für die Expertise und methodische Unterstützung bei der Ausarbeitung der Wiener Mortalitätsanalyse.

 

Daten

Mortalitätsmonitoring Wien und Österreich seit 2007 (Open Government Data, Landesstatistik Wien)

Gestorbene in Österreich (ohne Auslandssterbefälle) ab 2000 nach Kalenderwoche (Statistik Austria)

 

Weiterführende Informationen

Wiener Mortalitätsmonitoring

Daten-Monitor: Sterblichkeit in europäischen Städten seit 2015

Video: Landesstatistiker Klemens Himpele erklärt das neue Wiener Mortalitätsmonitoring (11. Mai 2020)

Informationsseite der Stadt Wien zum Coronavirus

Methodenbericht der Landesstatistik Wien (MA 23) zum Prognoseintervall Sterblichkeit

EuroMOMO (European Mortality Monitoring): Aktuelle Auswertung der Sterblichkeit in europäischen Ländern

 

Kontakt für Medien

Franz Trautinger

 

Zu den Autoren

    • Ramon Bauer ist stellvertretender Leiter des Dezernats Statistik der Landesstatistik Wien (MA 23).
      @metropop_eu

 

    • Peter Frühwirt arbeitet im Dezernat Grundlagen der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien (MA 23).

 

    • Roman Seidl arbeitet im Dezernat Grundlagen der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien (MA 23).

 

  • Franz Trautinger ist Leiter der Stabsstelle Kommunikation der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien (MA 23).

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