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„Warum redet ihr immer von Mercer?“ – Fragen und Antworten zur angeblichen „Managerumfrage“

von Franz Trautinger

Heute hat die internationale Beratungsfirma Mercer die österreichische Hauptstadt zum neunten Mal in Folge zur „lebenswertesten Stadt der Welt“ gekürt. Das ist ein weiterer Erfolg aller Wienerinnen und Wiener, über den wir uns als Stadtverwaltung sehr freuen.

Da auch die MA 23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) immer wieder mit Skepsis an Städtevergleichen und insbesondere am Mercer-Ranking konfrontiert wird, wollen wir an dieser Stelle die sieben wichtigsten Fragen beantworten und Kritikpunkte erörtern.

Frage 1: Wien ist jetzt zum neunten Mal in Folge lebenswerteste Stadt der Welt bei Mercer. Warum?

Mercer bewertet verschiedene Aspekte von Städten anhand von harten statistischen Indikatoren (z.B. Kriminalität, Luftqualität usw.) und Umfragedaten unter Expats. Wien schneidet hier seit Jahren hervorragend ab – und zwar bei konstant hoher Punktezahl in fast allen Kategorien.
Zürich liegt nur sehr knapp hinter Wien, hat es aber in den letzten zehn Jahren nicht geschafft, den Abstand zur österreichischen Bundeshauptstadt aufzuholen.

Frage 2: Wo liegen laut Mercer die Stärken und Schwächen Wiens?

Die AutorInnen loben explizit die hervorragende öffentliche Daseinsvorsorge in Wien. Gesundheitsversorgung, Wasserversorgung, Müllentsorgung, das Abwassersystem, Schulen, Stromversorgung und öffentlicher Verkehr erreichen stets die höchstmögliche Punktezahl. Das gilt auch für die niedrige Kriminalität und eher Österreich-bezogene Faktoren wie politische Stabilität, Polizei, Meinungsfreiheit und internationale Beziehungen. Der Wohnungsmarkt und die Verfügbarkeit von Konsumgütern werden ebenfalls mit der Maximalnote bewertet.

Mittelmäßig schneidet die Donaumetropole lediglich beim Klima und dem Straßenverkehr ab. Während ersteres außerhalb des menschlichen Einflussbereiches liegt, engagiert sich die Stadt in den letzten Jahren stark dafür, den Autoverkehr und die Staus zu reduzieren.
Leichten Nachholbedarf sieht Mercer bei der Luftverschmutzung und dem Flughafen, der laut der Beratungsfirma nur wenige interkontinentale Direktverbindungen bietet.

Frage 3: Das ist doch eine „Managerumfrage“, das hat ja mit mir als normale Wienerin nichts zu tun!

In die Bewertung fließen zu 98 Prozent harte Daten ein, die von unabhängigen Instituten und Behörden erhoben werden (z.B. Kriminalität). Für die restlichen 2 Prozent der Punktewertung werden Expats befragt. Das sind Menschen, die in der Regel für eine begrenzte Zeit aus dem Ausland nach Wien kommen, um hier zu arbeiten. Von diesen Expats sind laut einer InternNations-Umfrage ca. 16 Prozent ManagerInnen. Summa summarum beschränkt sich der Einfluss der ManagerInnen auf das Mercer-Ranking also auf ungefähr 3 Promille. Von einer „Managerumfrage“ kann daher keine Rede sein.

Expats zu befragen ergibt übrigens durchaus Sinn: Sie sind – im Gegensatz zu den Einheimischen – durch ihren Blick von Außen vermutlich weniger positiv (oder negativ) voreingenommen und verfügen durch ihre Erfahrungen in der Regel auch über Vergleichswerte.

Wenn diese Expats ihre Meinung zu den Supermärkten oder zur Qualität des öffentlichen Verkehrs bzw. des Wohnungsmarktes abgeben, geht es um Lebensaspekte, die alle WienerInnen betreffen und von denen alle StadtbewohnerInnen gleichermaßen profitieren. Auch Expats bevorzugen zuverlässige U-Bahnen, leistbare Mieten und ein vielfältiges aber zugleich günstiges Lebensmittelangebot. Laut InterNations schätzen Expats in Österreich besonders die persönliche Sicherheit (im Vergleich zu anderen Ländern).

Frage 4: Managerinnen hin, Expats her – wie schätzen die Wienerinnen und Wiener selbst ihre Lebensqualität ein?

Laut der Wiener Lebensqualitätsstudie 2013 leben 97 Prozent der Wienerinnen und Wiener „gerne“ oder „sehr gerne“ in Wien. Eine Befragung von Eurostat hat 2015 ergeben, dass 96 Prozent der Bevölkerung gerne in Wien lebt. Wien liegt damit fast gleichauf mit Stockholm, Hamburg und München und deutlich vor Madrid oder Paris (jeweils 87 Prozent).

Frage 5: In der Öffentlichkeit ist vor allem vom Mercer-Ranking die Rede. Dabei gibt es auch viele andere Studien. Wie schneidet Wien dort ab?

Korrekt, Vergleiche von Städten in Rang- und Punktelisten gibt es wie Sand am Meer. Bewertet werden verschiedenste Qualitäten: Coolness, Hilfsbereitschaft, Preisniveaus, Innovativität, Smartness usw. Eine hunderprozentig objektive Aussagekraft solcher Rankings ist jedoch meist nicht gegeben. Je nach verwendeten Indikatoren und deren Gewichtung, methodischem Zugang, strategischen Absichten oder einfach der Auswahl der Städte können die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen. Ob man in einem bestimmten Ranking von hunderten Städten auf Rang 1, 2, 3 oder 10 liegt, ist daher lediglich eine Frage der Symbolik. Die meist geringen Punkteunterschiede an der Spitze lassen sich eher statistischen Schwankungsbreiten als realen Unterschieden zuschreiben.

Für Wien zeigt sich aber ein Muster: Die Stadt befindet sich in den meisten Rankings (bzw. Teilrankings), in denen es um Lebensqualität und Daseinsvorsorge, aber auch Innovation und kulturelle Bedeutung geht, auf einer Spitzenposition:

Wiens Position in wichtigen Städterankings
1. Rang von 231 Quality of Living Survey 2018 (Mercer)
1. Rang von 87 Smart City Index (Roland Berger)
2. Rang von 140 The EIU Livability Survey 2017 (EIU)
2. Rang von 25 Most liveable city Index 2017 (Monocle)
3. Rang von 55 World’s Most Reputable Cities 2017 (Reputation Institute)
10. Rang von 500 Innovation Cities Index 2016/17 (2thinknow)
14. Rang von 42 Global Power City Index 2017 (Mori Foundation)
1. Rang von 69 State Of The World Cities 2012/2013 (UNO)

Frage 6: Und warum redet ihr dann vor allem über die Mercer-Studie?

Der symbolische erste Platz ist für jeden etwas Besonderes, egal ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Sport. Und internationale Unternehmen schauen vor einer Neuansiedelung sehr genau darauf, welche Stadt ihnen eine hervorragende Infrastruktur und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die beste Lebensqualität bietet. Es liegt also in unserem ureigenen Interesse, den Standort Wien im In- und Ausland zu bewerben und so zusätzliche Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Wachstum hierher zu holen.

Zudem ist es nicht ganz unverständlich, dass sich die Stadt Wien mit dieser herausragenden Anerkennung des „Wiener Wegs“ gemeinsam mit denjenigen freuen will, die mit ihrem Tatendrang, Fleiß und ihrer Kreativität für diesen Erfolg verantwortlich sind – den Wienerinnen und Wienern.

Frage 7: Nehmt ihr diese Rankings nicht zu wichtig? Meiner Ansicht nach gibt es Wien gerade genug zu tun…

Dem letzten Satz stimmen wir zu: Eine Stadt ist ein dynamisches System, niemals „fertig“ oder „perfekt“. Sobald eine Baustelle abgeschlossen wurde, steht die nächste Renovierung, der nächste Neubau an. Als Stadtverwaltung ist unsere wichtigste Aufgabe, gemeinsam mit den BürgerInnen Probleme und Herausforderungen rechtzeitig zu erkennen (z.B. über die „Sag’s Wien“-App) und vorausschauend zu lösen. Im Moment ist dies vor allem die Kombination aus Bevölkerungswachstum und der immer noch schwierigen wirtschaftlichen Lage. Daher steckt die Stadt Wien derzeit alle Energie in den Bau von Wohnungen, Verkehrsverbindungen, Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern sowie in die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die diversen Rankings zeigen grob, dass uns das in den letzten Jahren in Summe nicht schlecht gelungen ist. Mehr lässt sich aus ihnen nicht ablesen, das ist sowohl Verwaltung, Politik als auch den StadtbewohnerInnen bewusst. Denn wo der größte Handlungsbedarf herrscht, wie reagiert werden soll usw. entscheiden letztendlich nicht Studien und Beratungsfirmen, sondern die Wienerinnen und Wiener im wichtigsten Ranking von allen – den Wahlen.

 

Weiterführende Informationen

Mercer – Quality of Living 2018

Zum Autor

  • Franz Trautinger ist Öffentlichkeitsarbeiter der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien.

3 Kommentare

  • 20. März 2018 von Kurt Hahn

    Gut und klar argumentiert

    • 20. März 2018 von Irmgard Henne

      Schließe mich Herrn Hahn an!

  • 21. März 2018 von Hans Potakowskyj

    Ich bin stolz auf Wien, die Stadt, in der ich geboren bin und in die ich – nach Absolvierung der Wanderjahre meiner Jugendzeit (Krems, Innsbruck, Graz)zurückgekehrt bin und wo ich gut und gerne lebe. Es erfüllt mich immer wieder mit großer Zufriedenheit, wenn ich Gäste, die nach Wien kommen, mit dem Angebot dieser Stadt in Erstaunen versetze. Ja, eine Stadt ist in ständiger Entwicklung, denken wir nur daran, wie sich Wien vom Patina der grauen 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu einer brillianten und lebenswerten Metropole gewandelt hat.

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