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Stadt Wien stellt Babyvornamensstatistik neu auf: Von exakten Schreibweisen, Phonetisierung und dem geeigneten Werkzeug

Vor fast zwei Monaten berichteten wir nach Kritik in manchen Medien ausführlich von der Babyvornamensstatistik der Stadt Wien. Wie angekündigt haben wir uns dem Thema in der Zwischenzeit intensiver gewidmet und die Babyvornamensstatistik der Stadt neu aufgestellt.

Von Klemens Himpele

Phonetisierung und exakte Schreibweise

Vornamen können bekanntlich auf mehrere Arten gezählt und sortiert werden, hier seien drei in Österreich verwendete Vorgangsweisen angeführt. Wichtig ist: keine davon ist „richtig“ oder „falsch“:

a) exakte Schreibweise
Diese Methode ist am nahe liegendsten: Hannah und Hanna sind hier nicht derselbe Name. Léon und Leon auch nicht.

b) nach Aussprache („phonetisiert“)
Insbesondere Kleinkindern ist es egal, ob sie in der Geburtsurkunde Hannah oder Hanna geschrieben werden. Ihre Eltern rufen sie in beiden Fällen gleich. Namen, die üblicherweise gleich ausgesprochen werden, können demnach zusammengefasst werden. Wie wir das 2017 gemacht haben, sehen Sie in den untenstehenden Grafiken. Klar ist, dass es dabei immer mehrdeutige Fälle bzw. Grenzfälle gibt.

c) nach Wortherkunft („etymologisiert“)
Unter anderem von Monarchen kennt man, dass ihre Namen übersetzt werden. Kaiser Franz Joseph I. hieß in Ungarn I. Ferenc József. Aber auch viele deutschen Namen haben denselben Ursprung bzw. sind nur Varianten voneinander (z.B. Christine/Christina). Beim „Etymologisieren“ werden alle Namen mit derselben Herkunft zusammengezählt. Hanna und Hannah addiert man hier zu Anna. Andrew zu Andreas, Yussuf zu Josef usw. Diese Praxis wird von der Statistik Austria angewandt.

Die Stadt Wien setzt auf die Phonetisierung (siehe b) und die exakte Schreibweise (siehe a). In der Vergangenheit haben wir erste Phonetisierungsversuche gestartet, die (ebenso wie die exakten Schreibweisen) transparent im Internet veröffentlicht wurden. Damals haben wir nur einige wenige Namen – nämlich jene, die zu den Top 10 gehören – phonetisiert.

Diese Methode haben wir nun professionalisiert: Mithilfe von Daten der Statistik Austria und der Gesellschaft für deutsche Sprache sowie eigener Recherchen erstellten unsere StatistikerInnen eine umfassende Liste von Namen, die üblicherweise gleich ausgesprochen werden. Aus 3.905 exakten Schreibweisen, die wir erfasst haben, werden 1.505 phonetische Namen. Die so entstandene (veröffentlichte) „Synonym“-Liste soll (und muss) in Zukunft weiter verfeinert werden. Einerseits ist unsere Zusammenstellung noch nicht perfekt. Andererseits gibt es jedes Jahr neue bzw. in der näheren Vergangenheit nicht verwendete Schreibweisen.
 

Exkurs: „Phonetisierung“ wirkt sich vor allem bei Namen aus anderen Sprachregionen aus

Das phonetische Zusammenfassen wirkt sich auf einzelne Namen teilweise stark aus, ändert aber am Gesamtbild wenig. Aufgrund unterschiedlicher Transkriptionen erreichen Namen, die aus anderen Sprachregionen stammen, zumeist höhere Ränge nach der Phonetisierung. Das liegt meist daran, dass sich unter vielen verschiedenen Schreibweisen keine dominierend durchgesetzt hat.

Der Name Alexander, um ein Beispiel zu nennen, der 2017 in dieser Schreibweise 136 Mal vergeben wurde (Rang 3), kommt nach der „Phonetisierung“ der Stadt (d.h. der Integration anderer Schreibweisen wie Alexsander) auf 175 Neugeborene (Rang 1).

Der Name Muhammed dagegen, der in dieser exakten Schreibweise nur 63 Mal vergeben wurde und damit auf Rang 23 lag, landete nach der Phonetisierung auf Platz 3 mit 159 Nennungen – dank zahlreicher anderer Schreibweisen wie Mohammad, Muhammad etc. Diese orthografische Vielfalt entsteht, da viele Selbstlaute im Arabischen nicht exakt notiert werden und man daher bei der Transkription in die lateinische Schrift an keine Norm gebunden ist.


Grafik: Aus welchen Schreibweisen setzen sich die Top 10 der nach Aussprache zusammengefassten Vornamen zusammen? (Mädchen)
 


Grafik: Aus welchen Schreibweisen setzen sich die Top 10 der nach Aussprache zusammengefassten Vornamen zusammen? (Buben)
 

Übersichtlicher Internetauftritt

In der Vergangenheit wurden die phonetisierten (siehe b) Listen und jene nach exakter Schreibweise (siehe a) der Babynamen 2016 – 2010 auf zwei verschiedenen Unterseiten von wien.at zur Verfügung gestellt.

Um hier mehr Klarheit für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Medien zu schaffen, haben wir beschlossen, die Vornamensstatistik in Zukunft zu bündeln. Die MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik hat zu diesem Zweck eine neue Internetseite eingerichtet, auf der die Listen nach Aussprache (Phonetisierung, siehe b) und nach exakter Schreibweise (siehe a) gemeinsam veröffentlich werden. Und zwar zurück bis 2010.

Da ein Bild bekanntlich mehr als 1.000 Worte sagt, haben wir auch erklärende „Phonetisierungs-Grafiken“ im Stile von WählerInnenstromanalysen auf der neuen Internetseite hochgeladen. Die „Rohdaten“ selbst werden als CSV-Tabellen in bewährter Manier im Open Government Data-Portal (OGD) gehostet, und auf unserer wien.at-Seite verlinkt.
 

Das richtige Werkzeug: Vornamensstatistik nicht als Ersatz für andere Fragestellungen verwenden

Frei nach Chefingenieur Montgomery Scott gilt: „use the right tool for the right job“ – oder eben die richtigen Daten für die richtige Fragestellung.

1,5 % der Wiener Neugeborenen hießen 2017 Muhammed (in verschiedenen Schreibweisen). Daraus Rückschlüsse auf die Anzahl von muslimischen WienerInnen ziehen zu wollen, ist aber genauso irreführend, wie aus „Christians“ oder „Marias“ abzuleiten, wie viele Christen in Wien leben. Babyvornamen sind kein „Proxy“ für eine Religionsstatistik. Will man den Anteil der Muslime/-innen in Wien wissen, sollte man in den Daten zur Religionszugehörigkeit nachsehen – z.B. in der WIREL-Studie, bei der DemographInnen der Stadt als ProjektpartnerInnen mitgearbeitet haben.

Die Aussagekraft der Vornamensstatistik ist – abseits anekdotischer Aspekte – ohnehin stark eingeschränkt. Deshalb genoss das Thema bei uns als Wiener Landes- und Gemeindestatistik auch bis vor wenigen Monaten keine hohe Priorität.
Am ehesten erhält man durch die Vornamen im Zeitverlauf einen ungefähren Eindruck über den kulturellen Wandel: Ende des 19. Jahrhunderts gehörten noch Marie, Anna und Rosalie bzw. Karl, Josef und Franz zu den am meisten gewählten Vornamen für Neugeborene. 1946 – 1949 waren es Franz, Peter und Karl bzw. Christine, Brigitte und Elisabeth; 1968 Sabine, Claudia und Petra sowie Thomas, Andreas und Christian. 2017 dann Alexander, Maximilian und Muhammed bzw. Sophia, Sara und Anna.

Aber wieder gilt: Dass seit einigen Jahren auch so genannte „Einwanderernamen“ Stockerlplätze in dieser Statistik erreicht haben, zeigt, dass sich Wien in den letzten Jahrzehnten vom schrumpfenden und ältesten Bundesland zu einer diversen und jungen EU-Metropole entwickelt hat. Wer sich aber ein umfassendes Bild über die Einwanderung nach Wien machen will, sollte sich die eigentlichen Daten dazu ansehen. Z.B. auf den Internetseiten der Stadt zur Bevölkerungsstatistik oder im OGD-Portal.

Dieser Text wurde auch im OGD-Blog der Stadt Wien veröffentlicht.
 

Zum Autor

  • Klemens Himpele ist Leiter der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik.

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