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Forschungsstandort Wien: Innovative Unternehmen, exzellente Hochschulen und hervorragende ForscherInnen

von Franz Trautinger und Elisabeth Unger

Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, stellte vor rund 250 Jahren fest, dass eine Investition in Wissen noch immer die besten Zinsen bringe. Heute gilt diese These mehr denn je. Die städtische Magistratsabteilung 23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) hat eine neue Informationsbroschüre gestaltet, die den Forschungs- und Entwicklungsstandort Wien genauer unter die Lupe nimmt.




Digitalisierung und globaler Wettbewerb führen einerseits zu massiven Produktivitätssteigerungen. Andererseits erleichtern sie die Nutzung von Arbeitskraft aus anderen, weit entfernten Teilen der Welt. Ein Standort wie Wien kann in diesem globalen Markt nur mit Qualität punkten, einen Dumping-Wettbewerb werden wir nicht gewinnen. Gleichzeitig gilt es, dem traditionellen Wiener Grundsatz der sozialen Verantwortung Rechnung zu tragen: Produktivitätsgewinne – die gemeinsam erarbeitet wurden – müssen auch gerecht verteilt werden.

Unsere neue Reihe „Wien in Zahlen“

Forschung und Entwicklung ist ein Schlüssel, um diese beiden Ziele unter einen Hut zu bringen: Innovative Produkte und Dienstleistungen von hoher Qualität ermöglichen wirtschaftliche Erfolge auf den weltweiten Märkten. Gut ausgebildete, kreative und engagierte Arbeitskräfte sind wesentlicher Teil dieses Erfolgs – und können daher eher auf „ihr Stück vom Kuchen“ bestehen.


Grafik: Auf einen Blick: Forschung und Entwicklung in Wien

Wien hat Neugier und Innovation sozusagen im Blut: Mit der Universität Wien beherbergen wir die älteste Hochschule im deutschsprachigen Raum (gegründet 1365). Die österreichische Hauptstadt ist zudem die größte deutschsprachige StudentInnenstadt. Dass sich zahlreiche SpitzenforscherInnen, insbesondere in den Bereichen IT, Mathematik, Physik, den Life Sciences und den Geistes- und Sozialwissenschaften in Wien angesiedelt haben, ist kein Zufall.

Wie die Daten in der neu herausgegebenen F&E-Broschüre zeigen, ist Wien in mehrfacher Hinsicht gut aufgestellt. An dieser Stelle seien drei wesentliche Charakteristika hervorgehoben.

1. Wien ist das österreichische Zentrum der Forschung – und steht in Europa gut da

Österreich verfügt nach Schweden über die zweithöchste Forschungsquote (Anteil der Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt) in Europa. Wien bildet dabei das Rückgrat der österreichischen Forschungsquote: Bei einem 21-prozentigen Bevölkerungsanteil werden 30 % aller nationalen Forschungsausgaben in der Hauptstadt getätigt.


Grafik: F&E-Ausgaben in Wien und Österreich 2015

Dieses Schwergewicht Österreichs bzw. Wiens spiegelt sich auch im europäischen Vergleich wider: Unter den EU-Hauptstädten verfügt Wien über eine der höchsten Forschungsquoten, vor Berlin, Prag, Paris, Brüssel oder London. Aber auch im Bundesländervergleich liegt Wien vorne: Nur in der Steiermark, einem traditionellen Industrieland mit einer Vielzahl forschungsintensiver Unternehmen, ist die F&E-Quote höher, Wien belegt den zweiten Platz in Österreich.
In absoluten Zahlen sind jedoch die Wiener Forschungsausgaben die höchsten: 3,2 Mrd. € jährlich gegenüber der zweitplatzierten „grünen Mark“ mit 2,2 Mrd. €. Das ist wenig überraschend, ist Wien sowohl in wirtschaftlicher als auch demographischer Hinsicht das größte Bundesland.


Grafik: F&E-Quoten in Europa 2015


Grafik: F&E-Quoten in Österreich 2002 und 2015

2. Wiens F&E-Sektor ist durch Zusammenspiel von öffentlichem und privatem Sektor geprägt

In den letzten Jahren wurden sowohl große als auch kleine und mittlere Unternehmen zum dominierenden Faktor in Forschung und Entwicklung in der Stadt. Die überdurchschnittliche Wiener Produktivität stellt für sie einen wesentlichen Standortvorteil dar. Dass sich privater und öffentlicher Sektor bei Forschung und Entwicklung immer ergänzt haben, wurde nicht zuletzt während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 deutlich. Der Staat mit seinen Universitäten kompensierte die Ausfälle im Unternehmensbereich teilweise, letzterer liegt nun bei allen Indikatoren wieder deutlich über dem Vorkrisenniveau.


Grafik: Wiener F&E-Ausgaben nach Sektoren 2002 bis 2015


Grafik: Entwicklung der Wiener F&E-Ausgaben nach Sektoren 2002 bis 2015

3. Bei den Forscherinnen und Forschern ist Wien europaweit Spitze

Im Wiener F&E-Bereich arbeiten rund 45.000 Menschen – die meisten im Hochschulsektor. Auch hier gab es – wie bei den Forschungsausgaben – während der Wirtschaftskrise einen Rückgang im Unternehmensbereich. Da aber die (zumeist öffentlichen) Hochschulen auch in den Krisenjahren weiter zulegten, sanken die Gesamtbeschäftigtenzahlen in Forschung und Entwicklung in diesen Jahren nicht. Die öffentliche Hand stabilisierte also den F&E-Arbeitsmarkt teilweise.


Grafik: Wiener F&E-Beschäftigte nach Sektoren 2002 bis 2015


Grafik: Entwicklung der Wiener F&E-Beschäftigten nach Sektoren 2002 bis 2015

Neben anderen Maßnahmen hat sich diese Politik bewährt: Wien ist weiterhin EU-weiter Spitzenreiter beim F&E-Beschäftigtenanteil (entspricht den F&E-Beschäftigten dividiert durch alle Beschäftigten). Nur in einem Teil Londons und in der belgischen Provinz Wallonisch-Brabant ist dieser Indikator höher als in der Donaumetropole – alle anderen 273 EU-Regionen (NUTS-2) liegen hinter Wien. Dass sich in den Top-10 dieser Statistik neben Wien auch eine zweite österreichische Region, die Steiermark, findet, ist kein Zufall. Wie erwähnt zählt ganz Österreich zu den stärksten F&E-Standorten des Kontinents.


Grafik: Top-10 der EU-Regionen mit dem höchsten F&E-Beschäftigtenanteil 2015

Eine Schattenseite dieses Erfolgs ist die unbefriedigende Performance bei der Geschlechtergerechtigkeit: Während mittlerweile mehr Frauen als Männer ein Universitätsstudium absolvieren, befindet sich die Frauenquote im Wiener F&E-Bereich weiterhin bei nur 33 % (Beschäftigte in Vollzeitäquivalenten). Das ist zwar besser als in Gesamt-Österreich (24 %), aber immer noch deutlich hinter Ländern wie Lettland (51 %) oder Portugal (44 %).
Interessant ist, dass sich die Gender Gaps in den unterschiedlichen Sektoren stark unterscheiden: Im Hochschulbereich sind Frauen und Männer – wohl auch wegen der verschiedenen staatlichen Frauenförderungsmaßnahmen bzw. Gleichstellungsgesetzgebung – annähernd gleichmäßig vertreten (45 zu 55 %). Der Unternehmenssektor hinkt dagegen hinterher: Nur 22 % der F&E-Beschäftigten in privaten Betrieben sind weiblich.


Grafik: Gender Gap der Wiener F&E-Beschäftigten nach Sektoren 2002 bis 2015

Exkurs: Große Player dominieren den Unternehmenssektor

Aufgrund seiner interessanten Struktur haben wir uns in der neuen Publikation näher mit dem Unternehmenssektor beschäftigt: Obwohl es eine Vielzahl an kleinen Unternehmen gibt, dominieren finanziell und in Bezug auf ihre Angestellten wenige große Player – ein Befund, der vermutlich für den Wirtschaftsstandort Wien insgesamt gilt.

Die Grafik unten muss farben- bzw. stufenweise von links nach rechts gelesen werden: Die „kleinen“ Betriebe mit weniger als 10 Beschäftigten sind zwar zahlreich und machen 46 % aller Unternehmen aus (Farbe weiß). In Summe beschäftigen sie jedoch nur 8 % aller F&E-Angestellten und tätigen nur 4 % aller unternehmerischen F&E-Ausgaben.


Grafik: Wiener F&E-Unternehmen nach Größe, Beschäftigten und Ausgaben 2015

Demgegenüber sind nur 9 % – das sind insgesamt 77 – aller F&E-Unternehmen „groß“ (Farben rot und hellrot), d.h. sie beschäftigen jeweils mehr als 250 Menschen. Insgesamt arbeiten über 50 % aller F&E-Angestellten in Wien bei solchen großen Firmen, die gemeinsam für 68 % der Wiener F&E-Unternehmensausgaben verantwortlich sind.

Noch plastischer ausgedrückt: Diese 77 Unternehmen mit mehr als 250 MitarbeiterInnen sind für fast 40 % aller Wiener F&E-Ausgaben (inkl. Hochschulsektor etc.) verantwortlich.

Das Wiener F&E-Erfolgsmodell: Innovative Unternehmen, starker öffentlicher Sektor und exzellente MitarbeiterInnen

Der Wiener F&E-Standort zeichnet sich also durch ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen innovativen Unternehmen und einem stark aufgestellten öffentlichem Sektor aus. Das Herz des Standorts sind jedoch die Forscherinnen und Forscher, die Entwicklerinnen und Entwickler, die in den Betrieben und Universitäten arbeiten – im Vergleich mehr als in (fast) allen anderen europäischen Regionen. Bei den Geschlechterverhältnissen gibt es insbesondere im Unternehmenssektor noch Nachholbedarf.

Klar ist, dass man sich auf den geschilderten Erfolgen nicht ausruhen kann. Nicht zuletzt zeigt die durch den Gemeinderat beschlossene Strategie „Innovatives Wien 2020“, wo die Schwerpunkte der Maßnahmen der Stadt liegen: optimale Voraussetzungen für Innovation durch Kooperation und Offenheit sowie eine öffentliche Verwaltung, die als Initiatorin und Nutzerin von Innovationen auftritt. Wie Stadtrat Peter Hanke in seinem Vorwort zur nun vorliegenden Broschüre betont, wird die Stadtregierung auch in Zukunft alles daran setzen, den Standort noch attraktiver zu machen und die Herausforderungen, darunter jene im Zuge der Digitalisierung, zu bewältigen.

Wir hoffen, dass Ihnen unsere neu gestaltete Broschüre einen interessanten Überblick über unseren F&E-Standort bietet und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

 

Weiterführende Informationen

Weitere Daten zu F&E in Wien finden Sie unter www.wien.at/statistik/wirtschaft/forschung
Broschüre „Wien in Zahlen“
Reihe „Wien in Zahlen“: Forschung und Entwicklung
Reihe „Wien in Zahlen“: Wirtschaftsstandort
Zusammenfassung im Wien 1×1-Blog: „Wirtschaftsstandort Wien: Produktiv, gebildet, lebenswert – und noch einiges zu tun“
Reihe „Wien in Zahlen“: Bevölkerungsprognose

Download und Bestellung

  • Alle Broschüren der Reihe „Wien in Zahlen“ stehen auf www.statistik.wien.at zum Download auf Deutsch und Englisch zur Verfügung und können kostenfrei in gedruckter Form bestellt werden. Poster senden wir Ihnen auf schriftliche Anfrage vorbehaltlich Verfügbarkeit zu.

 

Zu den AutorInnen

  • Franz Trautinger ist Leiter der Stabsstelle Kommunikation der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien.
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  • Elisabeth Unger arbeitet im Dezernat Forschung, Technologie und Innovation der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien.

2 Kommentare

  • 24. September 2018 von Andrea Höglinger

    Glückwunsch! Nur noch eine Anmerkung: Wien gibt mit den knapp über 100 Mio jährlich für Forschung und Innovation so viel aus, wie Wiener Forschungsorganisationen und Unternehmen jährlich aus dem Rahmenprogramm zurück holen.

  • 25. September 2018 von Stefan Horak

    Sehr geehrter Herr Trautinger, sehr geehrte Frau Unger, grundsätzlich möchte ich Sie zu dem ersten Schritt in Richtung moderne Grafik beglückwünschen. Die Ansätze sind in der Basis ordentlich könnten aber noch ein wenig spannender ausfallen. Da ich nicht die Zielgruppendefinition und Infostrategie der Broschur kennen sei mir eine oberflächliche konstruktive Kritik erlaubt. Handelte es sich bei diesem Werk um eine Info oder Imagekampagne da dies nicht klar erkennbar ist? Zum einen ist der Umfang der Texte und Diagramme doch erheblich zum anderen dürfen Infografiken auch bildhafter ausfallen. Handwerklich ist das Werk sauber und gut strukturiert gelöst, es vermittelt auf alle Fälle fachliche Kompetenz.

    Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

    Mit den besten Grüßen

    Stefan Horak

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